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Erfolgreich mit Fachgruppen - Wie aus Austausch Innovation entsteht

[Dr. Silke Schmidt] (0:02 - 1:42)

TransFormsache, der Podcast der RegioClusterAgentur für Innovation und Transformation in Baden-Württemberg zu den Themen regionale Transformationen, Innovationen und kreative Lösungen aus der Cluster Szene Baden-Württemberg. Herzlich willkommen zur 18. Folge unseres Podcasts Transformsache.

Mein Name ist Silke Schmidt von der RegioClusterAgentur für Innovation und Transformation in Baden-Württemberg und heute dürfen wir Dr. Christine Neu begrüßen. Sie ist Geschäftsführerin der microSüdwest in Freiburg. Hallo Frau Neu.

[Dr. Christine Neuy] Hallo Frau Schmidt, freut mich. 

[Dr. Silke Schmidt] Freut uns auch sehr, dass Sie der Einladung gefolgt sind und wir haben heute diesen Podcast unter den Titel gestellt Erfolgreich mit Fachgruppen. Darum wird es heute primär gehen, aber eben auch um alle anderen Themen, die Sie so bewegen in Ihrem Netzwerk.

Sie sind schon recht lange da am Start, würde man heute sagen. Also am annähernden 15 Jahre mit einigen kleinen Unterbrechungen, sagen wir mal. Aber es ist eine ganz schön lange Zeit, wenn man sich die Aufgabe anschaut und auch so die Cluster Landschaft.

Sie sind promovierte Chemikerin und haben das gemacht unter anderem am MPI für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr und Uni Bochum promoviert. Ja, Chemikerin, denkt man sich jetzt und hört Mikrotechnik und Mikrochips und so weiter. Also wenn Sie jetzt noch mal zurückblicken, hätten Sie damals, als Sie eingestiegen sind in Mikrotech Südwest und in dieses ganze Clusterleben, hätten Sie damals gedacht, dass Sie das heute noch machen und überhaupt diesen Weg zu gehen?

[Dr. Christine Neuy] (1:44 - 2:25)

Nein, vermutlich hätte ich das damals nicht gedacht. Also zu der Zeit, zu der ich promoviert habe, und das ist jetzt schon über 30 Jahre her, war es sehr schwierig, eine Stelle zu finden. Und ich habe den Berufseinstieg am Institut für Mikrotechnik Mainz, heute Fraunhofer Institut, gemacht.

Das waren eigentlich meine Berührungspunkte dann zur Mikrosystemtechnik und bin dann direkt Ende der 90er noch nach Nordrhein-Westfalen gewechselt zu einem anderen Verband. Das heißt, eigentlich bin ich fast 30 Jahre schon im Clustermanagement im weitesten Sinne, in verschiedenen Rollen natürlich. Also ich würde mich schon fast als Cluster-Oma bezeichnen.

[Dr. Silke Schmidt] (2:27 - 3:01)

Ja, also das haben Sie jetzt hier gesagt, das lassen wir jetzt mal so stehen. Das würde ich natürlich niemals durchgehen lassen und ich würde aber auch, also Stichwort Oma jetzt, es ist ja so, wenn ich sage mal, wenn jetzt richtige Oma tatsächlich zurückguckt und redet über alte Zeiten sozusagen, dann ist das manchmal tatsächlich ein sehr anderes Bild als heute. Wenn ich Sie jetzt frage nach der Rolle, die Sie haben als Clustermanagerin und mit noch, sage ich jetzt mal, anderen Hüten auf, die man da hat, aber hat sich das wesentlich verändert im Laufe der Zeit?

[Dr. Christine Neuy] (3:02 - 3:54)

Also aus meiner Sicht nicht, denn das Wichtigste, das Zentrale ist ja mit den Menschen in den Netzwerken, in den Clustern umzugehen, Kontakt zu pflegen, sich auf Augenhöhe zu begegnen, Vertrauen aufzubauen und diese Grundprinzipien, nenne ich es jetzt mal, die bleiben natürlich bestehen. Was sich ändert, sind die Themen. Also die wandeln sich, die sind jetzt nicht komplett anders, aber es kommen immer neue Themen dazu, wenn Sie jetzt gerade aktuell an KI denken oder die Nachhaltigkeitsdiskussionen.

Also es wird eben immer weiter angereichert, aber und die Formate vielleicht, wie wir Dinge machen, die, da gibt es immer neue Entwicklungen, wie man vielleicht noch interaktiver arbeiten kann und da probieren wir natürlich auch immer aus, aber so das, was zwischen den Menschen passiert, ich glaube, das bleibt.

[Dr. Silke Schmidt] (3:56 - 6:39)

Spannend über die Themen, wenn wir gleich noch näher reden, auch in Verbindung mit dem Thema Fachgruppen. Ich nenne jetzt ein paar Stichpunkte für die Menschen, die microTEC Südwest e. V. auch nicht so gut kennen oder viel davon gehört haben. Also sie beschreiben sich selber als Fachverband für Mikrosystemtechnik mit Mitgliedern aus Industrie, Wissenschaft und Dienstleistung.

Sie sind ein regionales Netzwerk, das aber gleichsam auch sehr offen ist, also für nationale und auch internationale Kooperation. Und wenn wir jetzt noch mal auf die, auf das Arbeitsfeld oder den Bereich gucken, Mikrosystemtechnik ist also, wenn man sich jetzt mal die Industrielandschaft und die Entwicklung anschaut, gilt als absolute Schlüsseltechnologie bei uns in Baden-Württemberg, aber eben auch weltweit, hat was damit zu tun, dass es natürlich so viele Verschränkungen gibt, also zu anderen Schlüsselindustrien, Automobiltechnik, Maschinenbau, Medizintechnik und gerade Baden-Württemberg führt da auch besonders Halbleiter- und Chipentwicklung und natürlich dieses Thema künstliche Intelligenz. Also ich glaube auch das ist eins, da hätten sie jetzt vor 30 Jahren oder 20 auch noch nicht dran gedacht und darüber gesprochen. Was die geschätzte Marktentwicklung angeht, da geht man von richtig großen Wachstumszahlen aus.

Wir haben uns im Vorfeld auch ein bisschen ausgetauscht und auch mal Zahlen recherchiert. Das ist schwierig, einfach weil es so, man kann das so pauschal einfach nicht sagen. Was aber klar ist, ist einfach, dass die Entwicklung da, man geht von einem klaren Wachstum aus, gerade auch international nochmal.

Also sprich, da ist ganz viel im Werden und im Weiterentwickeln und eine Menge Musik drin und die Vision von microTEC, jetzt noch mal zu ihrer Selbstbeschreibung auch oder wie sie das Cluster darstellen, das Netzwerk. Die Vision ist es eben, die bedeutendsten Kompetenz- und Kooperationsnetzwerke für intelligente Mikrosystemtechniklösungen in Europa und Ansprechpartner für Mikrosystemtechnik in Baden-Württemberg zu sein. Also das beschreibt dieses Netzwerk und diese Expertise. Das war jetzt mal das kleine Intro, quasi in der Theorie und jetzt kommen wir zu dem spannenden Teil, nämlich was heißt das alles so in der Praxis, wie erleben sie es, wie bauen sie es weiter und ich würde gerne als erstes tatsächlich mit der thematischen Frage einsteigen, also wo stehen sie gerade heute, was sind so die wichtigsten Themen, die sie weitertreiben oder auch konkrete Projekte, die gerade laufen. Also nehmen sie uns gerne mal mit in die Welt ihres Netzwerks, was da so gerade geschieht.

[Dr. Christine Neuy] (6:40 - 8:45)

Ja, sie hatten es ja schon gesagt, die Mikrosystemtechnik und Mikroelektronik sind ja Querschnittstechnologien, Schlüsselindustrien, die gehen natürlich in ganz viele Anwendungsbranchen. Insofern ist es ein ganz, ganz vielfältiges Thema oder Spektrum, was wir hier abdecken. Natürlich steht immer im Fokus, die Technologie weiterzuentwickeln.

Wie kann man künstliche Intelligenz noch einbetten? Wie kann man Embedded KI, also wie bringt man die künstliche Intelligenz auf den Chip, die Sensorik, die Hardware, die auch von unseren Mitgliedern dann zum Beispiel kommt, aber auch immer neue Anwendungen zu entdecken, ist natürlich ein ganz wichtiges Thema und die Vielfalt, die zeigt sich in den Themen, die unsere Fachgruppen bearbeiten und die natürlich auch auf unserer Konferenz regelmäßig bearbeitet werden.

Grundsätzlich ist es so, dass wir uns derzeit in geförderten Projekten vor allem mit dem Thema Chip, also Halbleiterindustrie, beschäftigen. Wir haben da die tolle Aufgabe vom Land Baden-Württemberg bekommen, das Chip-Ökosystem Baden-Württemberg zu koordinieren, auch da wieder die Menschen zusammenzubringen, um Mehrwert für die Region, für die Unternehmen hier in der Region zu bringen und damit natürlich auch die Branchen, wie die Automobilindustrie, die in einer großen Transformation ist, da Beiträge aus Sicht der Sensorik und Elektronik zu leisten. Ein anderes Schwerpunktthema ist das Thema Fachkräfte und da sind wir Teil einer bundesweiten Initiative der microTEC Academy. Das ist die bundesweite Plattform für Aus- und Weiterbildung im Bereich Mikrosystemtechnik und Mikroelektronik und da haben wir, um ein Beispiel zu nennen, die Rolle natürlich einmal an junge Nachwuchskräfte heranzugehen, also Nachwuchsgewinnung für unsere Mitglieder, für die Region zu machen, aber eben auch eine große jährliche Konferenz zu organisieren.

[Dr. Silke Schmidt] (8:46 - 9:14)

Jetzt haben Sie ein bisschen die Bereiche schon angesprochen, unter anderem eben auch die Fachgruppen. Da würde ich jetzt mal gerne tiefer rein, weil das war etwas, wenn man bei Ihnen auf die Website auch geht, ist das relativ präsent. Das war zumindest etwas, wo ich gleich drauf gegangen bin und habe gesehen, alles klar, was machen die da und in welchem Setup.

Was für unterschiedliche Themen gibt es da jetzt gerade aktuell, wo die Gruppen daran arbeiten und wie steht das mit diesen größeren Themen in Verbindung?

[Dr. Christine Neuy] (9:16 - 10:38)

Also aktuell haben wir technologisch fünf Fachgruppen. Also eine ist sozusagen die Herztechnologie, die heißt Smart Systems, da geht es um Mikrosystemtechnik, aber in engem Bezug mit Digitalisierung, KI, Embedded-Lösungen, Kommunikationsthemen spielen eine Rolle, Cybersecurity, das ist die eine Fachgruppe. Dann haben wir zwei Fachgruppen, weitere Technologiefachgruppen, die eine ist Drucktechnologien, da geht es um gedruckte Elektronik oder gedruckte Funktionalität.

Dort spielen aber auch Faktoren wie hybride Systeme eine große Rolle und flexible Elektronik, also alles, was biegbar ist, wo das Anwendung findet. In der Fachgruppe Oberflächen geht es um die Erzeugung von funktionalen Oberflächen, also sprich mikrostrukturierten Oberflächen, Beschichtung von Oberflächen, auch um Funktionen auf der Oberfläche zu erzeugen, aber da befassen wir uns auch mit Messtechnik. Dann haben wir noch zwei, die in den Sektor Gesundheit, Health, Medizintechnik gehen, eine die sich mit Mikromedizintechnik befasst, zum Beispiel aktive Implantate und die andere ist In-vitro-Diagnostik, da geht es um Schnelltests zum Beispiel und Mikrofluidik-Themen.

[Dr. Silke Schmidt] (10:41 - 11:17)

Das sind alles Themen, die sind ja super innovativ natürlich, sonst würden sie sie nicht machen, die sind aber auch sehr komplex. Also was ich mich jetzt gerade frage ist, wenn man so an Fachgruppe denkt, gut, dann kann man denken, da treffen sich Menschen, die tauschen sich aus und dann gibt es da Wissenstransfer. Mich würde jetzt mal interessieren, was kommt denn da raus, um es mal platt zu sagen.

Wie funktioniert das? Mündet das vielleicht in gemeinsame Antragsvorhaben oder arbeiten die sehr konkret auch an bereits geförderten Projekten und was sind so, wie man heute sagen würde, die Outcomes oder was kommt da raus? Vielleicht haben sie ein Beispiel.

[Dr. Christine Neuy] (11:18 - 12:42)

Also wir haben unterschiedliche Beispiele, also zum Beispiel aus der Fachgruppe In-vitro-Diagnostik, da ist in letzter Konsequenz der Zukunftscluster NanodiagBW mit entstanden, so der Sprecher Felix von Stetten von Hahn-Schickard hat. Also das ist was ganz Konkretes, wobei es natürlich der Erfolg hat, immer viele Eltern, sage ich immer. Also das ist sicherlich immer nicht der einzige Auslöser für so eine große Initiative.

Das ist klar und das macht es manchmal auch wirklich für uns schwierig, das nachzuweisen, weil, das sind ja ganz, ganz viele Puzzleteile, die dann zu einem Antrag oder zu anderen großen Ergebnissen führen. Aber auch in der Fachgruppe Mikromedizintechnik gab es dann ein Projekt der Innovationsallianz Baden-Württemberg zur Smart Implant und in der Fachgruppe Oberflächen, um nur noch mal ein anderes Thema aufzugreifen, da haben wir uns wirklich intensiv mit Messtechnik von Oberflächen, also immer Oberflächen in unserem Verständnis, also nicht großflächig, sondern immer funktionell strukturiert und ähnliches befasst und haben mit einem Verlag zusammen mit WOTECH jetzt so eine kleine Handrechnung veröffentlicht, Messtechnik für Oberflächen, Verfahren und Anwendungen und das kann man jetzt als DIN A5 Heftchen bei uns bekommen.

[Dr. Silke Schmidt] (12:43 - 12:53)

Also da auch, sind Publikationen Produkte, die Sie häufiger haben oder war das eher ein Sonderfall?

[Dr. Christine Neuy] (12:55 - 13:37)

Also das ist nicht die Regel, denn Sie können sich vorstellen, alles was mit Ehrenamt funktioniert, also wir können nur in gewissem Rahmen natürlich Unterstützung und Koordination anbieten, aber solche Outcomes, die haben ganz viel auch mit den handelnden Personen zu tun und wie uns allen geht das so, dass die Zeit meistens sehr, sehr limitiert ist und deswegen sind es schon Anstrengungen, sage ich mal, um so eine Publikation herauszugeben und die hat auch lange gedauert, aber es schweißt natürlich trotzdem zusammen und das sind natürlich auch immer nur ausgewählte Teilnehmende von den Fachgruppen, die sich dann da engagieren, aber das ist, glaube ich, überall so, auch im Sportverein.

[Dr. Silke Schmidt] (13:38 - 14:28)

Genau und wir machen hier ja keine Werbung, aber immerhin, also wer sich für Messtechnik interessiert, Frau Neuy, Sie wissen, wo es das gibt oder man kann es auch finden, sehr schön. Jetzt, Sie haben es aber auch angesprochen eben mit dem Thema Ehrenamt und Engagement und so weiter, also Interessen, also man kann für Dinge brennen, aber es gibt ja nun auch den Fall, wenn man das Wort Fachgruppe hört, denkt man ja auch manchmal, naja, ob da so viel läuft, weiß ich nicht, kann ja auch mal einschlafen, also das Interessante bei unserem Vorgespräch war, dass Sie ziemlich am Anfang gleich gesagt haben, naja, das meiste kommt eben über unsere Fachgruppen, die sind so aktiv und arbeiten. Was ist denn Ihr Erfolgsrezept, klingt immer ein bisschen blöd, aber am Ende will man das trotzdem wissen, warum meinen Sie denn, dass es läuft, und wie unterstützen Sie die Gruppen konkret?

[Dr. Christine Neuy] (14:30 - 17:30)

Also ich glaube, eine wichtige Zutat und das haben wir von Anfang an und wir haben die Fachgruppen ja jetzt, glaube ich, im 13. Jahr, also nicht alle, aber die ersten sind schon vor 13 Jahren gestartet, da haben wir die 40. Sitzung oder so, also das ist schon eine Historie, auf die wir da zurückblicken.

Wir haben von Anfang an gesagt, es muss Aktive aus dem Mitgliederkreis geben, die als Sprecher, Sprecherinnen für diese Fachgruppen fungieren und da haben wir gesagt, weil es ja um Wissenstransfer auch geht, wir brauchen die Seite der Industrie und wir brauchen die Seite der Wissenschaft und so ist das, glaube ich, eine ganz wichtige Zutat, dass wir in allen Fachgruppen Sprecher, Sprecherinnen aus Wissenschaft und Industrie haben, manchmal sind es nicht nur zwei dann in Summe, sondern auch drei, weil man sich die Arbeit teilt und das ist, glaube ich, super, super wichtig. Wir sind auch bis auf die Zeit von Covid überwiegend noch in physischen Treffen und ich glaube, das ist auch ein ganz, ganz großer Mehrwert, also die Sitzungen sind wirklich ganztägig, also man sieht, die Leute investieren wirklich, wenn sie da hinkommen. Wir fangen an mit einem kleinen Vortragsprogramm in den frühen Mittag rein, machen eine Pause und dann gibt es meistens einen Laborrundgang oder es gibt eine Fertigungsrundgang, kommt immer auf den Gastgeber an.

Wir sind immer vor Ort bei den Mitgliedern, bei Partnern manchmal auch, weil das, also wenn man bei jemand anderem hinter die Kulissen gucken kann, das ist eine riesige Bereicherung für die Teilnehmenden und am Nachmittag ist dann oft noch lose Austausch, da gibt es die Möglichkeit, auch ganz spontan Themen zu adressieren. Da haben wir so ein Marktplatzkonzept, wo jeder einfach auch einfach kurz loslegen kann, was er gerade auf dem Herz, er, sie auf dem Herzen hat oder loswerden will und was dadurch durch die lange Zeit auch entstanden ist und durch die immer teilnehmenden Personen ist ein riesiger Vertrauensraum und der, ich würde das mal so beschreiben, der schwappt auch auf Leute über, die neu dabei sind. Also man spürt direkt, wie offen die sind.

Also ein Beispiel vielleicht nur mal, um das deutlich zu machen. Wir hatten mal die Fachgruppen Sprecher Oberflächen für zwei Themen in die Fachgruppe Drucktechnologien eingeladen und da hat der Industrie Fachgruppen Sprecher was präsentiert und hat dann gesagt, das zeige ich euch, das kommt jetzt nachher nicht in die Folien, die wir rumschicken. Der kannte die Fachgruppe nicht, also der war wirklich als Externe eigentlich da und trotzdem hat er sofort Wissen geteilt, um andere daran partizipieren zu lassen und das ist so ein Beispiel, woran man das sehen kann, dass es wirklich super funktioniert.

[Dr. Silke Schmidt] (17:31 - 17:44)

Also würden Sie sagen, dass das dieser kulturelle Faktor eigentlich, dass der sich über alle Arbeitsgruppen auch hinweg erstreckt oder haben die auch so ein bisschen ihr eigenes Leben oder ticken auch mal unterschiedlich?

[Dr. Christine Neuy] (17:45 - 17:57)

Also vom, aber das ist eher so inhaltlich fachlich Setting, das ist sicherlich ein bisschen unterschiedlich, aber das grundsätzliche kulturelle, habe ich den Eindruck, ist doch sehr durchgängig bei allen.

[Dr. Silke Schmidt] (17:59 - 18:15)

Jetzt haben Sie eben auch erwähnt, es gibt also dieses Duo als Sprecher und Sprecherinnen-Team, was aus Wissenschaft und Industrie besteht. Das ist ja jetzt auch nicht immer ein leichter Dialog. Also gibt es da manchmal Konflikte, dass Sie auch ein bisschen streitschlichter machen müssen oder kommt das eher selten vor?

[Dr. Christine Neuy] (18:16 - 19:36)

Nee, die Erfahrung habe ich eigentlich nicht. Jetzt muss man natürlich dazu sagen, dass die Mikrosystemtechnik auch wissenschaft- oder forschungsseitig sehr anwendungsorientiert ist. Also man sieht das ja auch hier an der Uni Freiburg am IMTEK.

Die sind, das ist jetzt nicht typische Wissenschaft, wie wir sie vielleicht aus unseren Studiengängen da noch kennen. Also die sind schon nah an der Industrie dran und viele machen Industrieprojekte. Also da habe ich wirklich noch nie was erlebt, dass es da deswegen, also weil die aus unterschiedlichen Welten kommen, Konflikte gibt.

Was eher mal ein Thema war, das fällt mir jetzt gerade noch mal so ein, das war zwischen Ingenieuren und den in diesen medizinischen Fachgruppen, dass man Begriffe nutzt, die eben für die eigene Herkunft und Disziplin typisch sind und die aber in einer anderen, was ganz anderes meinen. Also da hatten wir eine Veranstaltung, da war ich aber nicht involviert. Wie hieß denn das, Mikrosystemtechnik für Ingenieure oder Medizin für Ingenieure?

Also so, um diese Welten so mal zusammenzubringen. Ich glaube, an der Stelle gibt es dann, aber das sind sachlich-fachliche Diskussionen, aber da haben wir das mal gemacht, sozusagen so eine Übersetzungsveranstaltung.

[Dr. Silke Schmidt] (19:36 - 20:24)

Ja, spannend. Aber denke ich dann an der Stelle trotzdem, auch wenn es vielleicht holprig ist, aber sehr gewinnbringend, weil man es halt häufig aus genau diesem Grund nicht tut, weil man eben denkt, na ja, wir kriegen das Verständnis nicht hin auf der sachlichen Ebene. Sehr spannend.

Jetzt zoomen wir ein bisschen raus aus den Fachgruppen und bzw. bleiben wir in den Fachgruppen als Ursprung, aber gehen noch mal raus von dem Thema, sage ich jetzt mal, Technologie hin zum Thema Mensch. Fachkräftegewinnung haben Sie angesprochen auch schon, ist ein Thema, was Ihnen sehr wichtig ist, Sie auch schon seit längerem beschäftigt.

Und auch hier war die Fachgruppe, soweit ich das verstanden habe, in der Vorbereitung auch so ein Anstoß für ein Projekt, was Sie nennen Young Talents. Also was verbirgt sich genau darunter und wie war die Genese dieser Entwicklung?

[Dr. Christine Neuy] (20:26 - 22:53)

Also wir hatten in den vergangenen Jahren einmal im Jahr ein Treffen, wo alle Fachgruppensprecher und -sprecherinnen und die Vorstandsmitglieder mit uns, Teammitglieder, die die Fachgruppen betreuen, zusammengetroffen sind und den Austausch gemacht haben. Weil das hatte der Vorstand auch von Anfang an gesagt, ist ja ein Mehrwert, dieser Austausch auch zwischen den Fachgruppen. Wir haben zum Beispiel auch schon gemeinsame Sitzungen von Fachgruppen gemacht, um da, ja, wie heißt es so schön, Innovation entsteht an den Schnittstellen und in den Überlappungen.

Und bei einem dieser Treffen, zumindest so erinnere ich das, kam die Idee auf, wir machen doch einmal im Jahr die Clusterkonferenz und wir müssen eigentlich an die, wie können wir denn jetzt den Nachwuchs zu den Unternehmen bringen? Und dann bot sich das an, also es gibt schon eine Veranstaltung und lasst uns doch die jungen Nachwuchskräfte, die Studierenden, Masterandinnen und Doktorandinnen mit einladen. Und da haben wir eben dieses Young Talents Meet Industry initiiert und das hat sich dann auch in den Jahren wirklich immer wieder gewandelt, wie wir das aufgesetzt haben.

Also wir haben erst mal nur, in Anführungszeichen, eine Teilnahme ermöglicht und so Spezial-Sessions organisiert, wo es um Startups ging und Unternehmensgründungen, aber auch ein Austausch dieser jungen Talente. Und mittlerweile auch in diesem Jahr ist es so, dass wir Poster-Präsentationen von Nachwuchswissenschaftler und Nachwuchswissenschaftlerinnen haben, die sich vor Ort auf der Clusterkonferenz präsentieren und so ins Gespräch mit der Industrie kommen. Und das Ganze wird erfreulicherweise seit Anfang an von SICK auch unterstützt als Sponsor.

Die tragen das immer mit und deswegen gibt es auch jetzt einen kleinen Preis für den Best Paper Award. Und da haben wir keine Fachjury, sondern alle Teilnehmenden sind die Jury und jeder kriegt Punkte und kann die an die Poster kleben. Da freue ich mich jetzt schon wieder drauf.

Also das Feedback, das ich bekommen habe, war sehr inspirierend. Also die Teilnehmenden finden das wirklich klasse und für die jungen Menschen ist das natürlich auch eine tolle Chance, dann auch an der Fachkonferenz einfach teilzunehmen, wo sie sonst vielleicht nicht so einfach Zugang gefunden hätten.

[Dr. Silke Schmidt] (22:54 - 23:49)

Sehr schön und spannend mit der Challenge auch. Also da gibt sich ja was zu sehen. Jetzt Fachkräfte hat auch einen Anknüpfungspunkt zu diesem Thema Frauen und MINT.

Also ich meine, jeder, die irgendwie am entferntesten in diesem Bereich Naturwissenschaften, Technikwissenschaften unterwegs ist, begegnet auch dieser Fragestellung irgendwann. Gerade auch, wenn es noch mal um die Zukunft geht, um Fachkräfte etc. Mich würde interessieren, was beobachten Sie da?

Also jetzt einerseits auch vielleicht bei den Aktiven, die Sie in den Arbeitsgruppen haben, was normale Mitglieder auch angeht und jetzt aber dann auch noch mal bei dem Nachwuchs, wissenschaftlicher Nachwuchs, vielleicht auch praktischer Nachwuchs. Gibt es da Entwicklungen, dass mehr Frauen da reinkommen oder gibt es vielleicht aus Ihrer Sicht auch gar nicht den Mangel? Also es ist ja manchmal sehr unterschiedlich.

[Dr. Christine Neuy] (23:50 - 25:52)

Also aus der Historie weiß ich noch vom früheren Vorstandsvorsitzenden, der hat das immer sehr bedauert für sein Unternehmen, dass da wenig Bewerbungen von Frauen auch auf diese technisch-naturwissenschaftlichen Disziplinen kamen, was ich dann in der Vergangenheit schon versucht habe. Und in diesem Jahr werden wir das aber jetzt nicht meinetwegen, sondern weil andere da aktiv geworden sind im Vorstand, werden wir drei Vorstandskandidatinnen haben. Wir haben ein Kopf oder ein Gremium von sechs Vorständen und das sind alles junge Frauen, also aus meiner Perspektive junge Frauen, die sich jetzt um das Amt des Vorstands mitbewerben.

Das freut mich schon mal. Da habe ich vorhin so in der Vorbereitung noch gar nicht dran gedacht, aber das ist für mich so ein kleiner Meilenstein, sage ich mal, für mich persönlich, weil ich immer geguckt habe, wo finden wir vielleicht mal eine Frau für den Vorstand und jetzt war ich ein Jahr oder zwei ein bisschen zurückgezogen und zack, kommen die Vorstände mit ganz vielen Frauen im Gepäck mit Vorschlägen zurück. Das finde ich super.

Also wir müssen immer Rollenmodelle, also ich habe mich mit dem Thema schon mehrfach beschäftigt, also man muss halt immer Rollenmodelle haben. Und in den Fachgruppen, also es ist wirklich sehr unterschiedlich, also die Anzahl der Frauen ist immer noch geringer, glaube ich, auch in den Fachgruppen. Und ich kann mich auch an Veranstaltungen mit 100 Leuten erinnern, wo dann der Gastgeber begrüßt hat, sehr geehrte Herren, hallo Christine.

Also das kenne ich auch, aber ich denke, man muss da einfach Geduld haben und nach und nach wird sich das weiterentwickeln. Ich glaube, also es wird funktionieren, aber das ist jetzt sozusagen die, die schon qualifiziert sind, studiert haben, eine Ausbildung gemacht haben. Ansonsten der Nachwuchs ist ja natürlich noch mal eine Baustelle, wo man mehr langen Atem haben muss.

[Dr. Silke Schmidt] (25:53 - 26:45)

Naja und durch die Initiativen, die Sie angesprochen haben oder auch konkreten Aktivitäten, wo sich junge Menschen dann ja einbringen können, ist es ja ein direkter, es ist ja nicht nur theoretisch und langsam vorbereiten, sondern sie können sich da ja direkt einbringen. Jetzt haben wir schon eine ganz schöne Reise über microTEC Südwest e. V. gemacht, also über die Geschichte, über ihren Einstieg auch und über die Arbeit der Fachgruppen. Ich würde gerne als letzte Frage noch die nach der Zukunft stellen und die ist an der Stelle gar nicht mehr so weit hin, weil es geht um ihre Cluster-Konferenz.

Also wir haben jetzt hier die Freude, so recht knapp vor ihrer Cluster-Konferenz, die nämlich am 19. und 20. glaube ich ist, wenn ich richtig informiert bin.

Also geben Sie uns gerne mal so ein Sneak-Preview wie im Kino, was da Spannendes an die Teilnehmenden gerichtet sein wird.

[Dr. Christine Neuy] (26:46 - 29:51)

Ja, das Programm der Cluster-Konferenz spiegelt auf jeden Fall wieder die große Breite wider, die wir thematisch in microTEC Südwest abdecken. Wir haben ein umfassendes Vortragsprogramm, da kann ich gleich noch ein bisschen was zu den Themen sagen. Wir haben eine begleitende Ausstellung und wir haben auch zwei interaktive Workshops, einen von unserem Partner Allianz Industrie 4.0 und einer wird von SICK angeboten, also wo wirklich gemeinsam gearbeitet wird. Und das Programm ist immer, also wir haben mehrere Plenar-Vorträge und sonst Breakout-Sessions, also Parallel-Sessions und da geht es von Mikro-, Nano-Elektronik, von Chip-Design, Chip-Lead-Technologien bis hin zu Sustainability, also Nachhaltigkeit von Chips. Also was muss man an den Chips machen, was muss man in der Fertigung von Chips machen. Wir haben aber auch das Thema KI, zum Beispiel auch in der Anwendung, sage ich jetzt mal, KI-gestützte Diagnostik und Bioanalytik, da gehen wir also mehr so in diesen Lifescience-Bereich.

Der wird auch abgedeckt über biointegrierte Systeme und MedTech-Aktorik. Kommunikation ist ein Thema, Sensorik und wichtiger Baustein sind auch Materialentwicklungen. Also wir haben Fertigungsverfahren, additive Fertigung, aber eben auch neue Materialien, wie mal mit Glas, additive Fertigung mit Glas.

Das gibt so ein bisschen das Spektrum an, Oberflächenmaterialien. Also wirklich sehr, sehr vielfältig. Was auch spannend ist, es ist ja Fußball-WM dieses Jahr und wir haben die Weltmeisterin im Tischkickern da, mit der man sich dann messen kann und ja, denn das Netzwerken, der Austausch und der soll natürlich auch in lockerer Atmosphäre stattfinden, ist neben dem fachlichen Programm natürlich super, super wichtig und deswegen machen wir immer Abendveranstaltungen, wo man eben Tischkickern kann oder tanzen kann bei Livemusik und wir haben das jetzt gerade diese Woche nochmal im Kreis des Programmkomitees gesprochen. Die Cluster-Konferenz hat immer so was von Familientreffen.

Also es ist wirklich ein Familientreffen, aber wir wollen auch, wie drücke ich das jetzt aus, uns natürlich vergrößern, also heiraten sozusagen oder neue Familienmitglieder gewinnen. Also meine Hoffnung ist auch, dass wir wirklich mit diesem Geist, den wir da haben, mit diesem kulturellen Umfeld, dass wir bieten, Leute, die noch nicht Mitglied sind, anstecken, weil natürlich wollen wir den Mitgliederkreis ausbauen, weil jeder, jede bringt neue Themen, Impulse mit rein, die wieder andere voranbringen können. Also insofern, ja, hoffen wir, dass wir einen positiven Virus da setzen können.

[Dr. Silke Schmidt] (29:51 – 30:28)

Also für alle, die zuhören und die sich nur auch nur für einen Teil von diesem bunten Programm interessieren, ich glaube, es lohnt sich, da vorbeizugucken. Sie beißen nicht, das hat man deutlich gemerkt aus der Schilderung, wie die Fachgruppen arbeiten, wie ihre Kultur ist, sie sind da offen, finde ich sehr schön. Vielleicht noch eine allerletzte Frage, die mir jetzt eben gekommen ist. Wir haben jetzt eben auf die unmittelbare Zukunft geguckt, aber setzen Sie sich auch nach den vielen Jahren, in denen Sie in der Rolle arbeiten, noch irgendwelche Jahresziele und haben Sie sich für 2026 irgendwie noch was Besonderes vorgenommen oder lassen Sie es eher so kommen?

[Dr. Christine Neuy] (30:29 – 31:29)

Also meinen Sie mich persönlich oder als Organisation? Also letztlich müssen wir immer Anknüpfungspunkte zu den Mitgliedern und zu potenziellen Mitgliedern, zu tollen Themen bringen und also dann haben wir natürlich die Fachgruppensitzungen, die jedes Jahr Ziel sind, aber die sind ja auch super wichtig. Also deswegen sind die sicher im Fokus, alles was mit Mitgliedern zu tun hat, was sehr schön ist, weil wir ja auch hier von der RegioClusterAgentur jetzt den Podcast machen.

Wir machen jährlich mit der Allianz Faserbasierte Werkstoffe und mit den DITF, Deutschen Instituten für Textil- und Faserforschung, noch so eine Veranstaltung Smart Textiles. Das ist auch immer eine große Bereicherung, weil wir da so diese Welten zusammenbringen. Aber eigentlich habe ich quasi jeden Monat ein Highlight, würde ich sagen und so ein Zwischenziel und ja, die Spannung ist immer Neues mit reinzubringen.

[Dr. Silke Schmidt] (31:30 – 32:20)

Als Fazit kann man sagen von dem, was ich gelernt habe und auch unserem Gespräch. Es ist nicht langweilig und es wird auch nicht langweiliger in den kommenden Wochen und Monaten. Ich bedanke mich ganz herzlich, Frau Neuy, für dieses Gespräch, für den Einblick, den Sie uns ja in die Themen gegeben haben, auch ein bisschen in die Methodik, wie man also dazu kommt, dass wirklich so viel passiert und auch einfach in die Stimmung und Kultur, würde ich sagen.

Also das alles haben Sie jetzt in Worten hier vermittelt, aber man kann es eben auch live erleben auf Ihrer Cluster-Konferenz. Frau Neuy, herzlichen Dank für das Gespräch, Ihnen alles Gute für die anstehenden Events, für die Arbeit der Fachgruppen und was auch immer es zu berichten gibt. Wir werden uns bemühen, das auch in die Welt zu bringen, genauso wie diesen Podcast.

Herzlichen Dank nochmal.

[Dr. Christine Neuy] (32:21 – 32:28)

Vielen Dank, Frau Schmidt, dass ich die Gelegenheit hatte, über all das zu sprechen. Wir freuen uns wirklich, wenn sich Leute bei mir, bei uns melden.

[Dr. Silke Schmidt] (32:29 – 32:57)

Dankeschön. Dr. Christine Neuy, Geschäftsführerin der microTec Südwest in Freiburg. Das war Transformsache der Podcast der Regio Cluster Agentur für Innovation und Transformation in Baden-Württemberg zu den Themen regionale Transformationen, Innovationen und kreative Lösungen aus der Cluster-Szene Baden-Württembergs.

Die RegioClusterAgentur Baden-Württemberg wird durch das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg aus Landesmitteln und aus den europäischen Fonds für regionale Entwicklung EFRE finanziert.