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Faces of Innovation #2 Nadine Kaiser von der WiRO

Innovation braucht Leidenschaft. „Faces of Innovation“ stellt Menschen vor, die mit ihrem persönlichen Engagement Transformation in Baden-Württemberg vorantreiben. Hier berichten sie, worauf es für sie ankommt, um Veränderung erfolgreich zu gestalten.

In dieser Ausgabe sprechen wir mit Nadine Kaiser, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH Region Ostwürttemberg (WiRO), über aktuelle Herausforderungen in Transformationsprozessen und wie sie mit ihnen umgeht.

WiRO - Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH Region Ostwürttemberg
Nadine Kaiser
HAUS DER REGION
Bahnhofplatz 5
73525 Schwäbisch Gmünd

E-Mail: wiro(at)ostwuerttemberg(dot)de
Internet: www.ostwuerttemberg.de

Nadine Kaiser ist seit 2019 Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH Region Ostwürttemberg (WiRO) und leitet dort ein Team von acht Mitarbeitenden. In ihren rund 17 Jahren Tätigkeit bei Wirtschaftsförderungen hat sie zahlreiche Projekte in den Bereichen Fachkräftesicherung, Standortmarketing, Unternehmensansiedlung und Innovationsnetzwerke begleitet. 

Frau Kaiser, an welchen Projekten, Initiativen oder Themen arbeiten Sie bei WiRO aktuell – und welche Bedeutung haben diese für Ihre Region?

Ein Schwerpunkt unserer Arbeit ist derzeit die Transformation der regionalen Wirtschaft. Ostwürttemberg ist eine stark industriell geprägte Region. Viele Unternehmen sind eng mit der Automobilindustrie, dem Maschinenbau und der Metallverarbeitung verbunden. Um diese Unternehmen bei der Entwicklung neuer Technologien, Geschäftsmodelle und Qualifikationen zu unterstützen, setzen wir gemeinsam mit der IHK Ostwürttemberg, der IG Metall Aalen, Schwäbisch Gmünd, Heidenheim und dem Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft das Transformationsnetzwerk Ostwürttemberg um.

Das Netzwerk bietet konkrete Unterstützungsangebote. Außerdem machen wir mit der Kampagne „Zukunftslieferer“ sichtbar, welche Innovationen bereits heute in den Unternehmen der Region entstehen. Ein weiterer wichtiger Baustein unserer Arbeit ist der Transformationskongress Ostwürttemberg. Er hat sich als hochkarätige Fachveranstaltung und als wichtige Netzwerkplattform für Unternehmen, Wissenschaft, Politik und Institutionen etabliert.

In Ihrer Rolle können Sie viel bewirken – was motiviert Sie persönlich, sich für Ihre Region zu engagieren?

Wirtschaftsförderung bedeutet für mich, gemeinsam mit anderen, Verantwortung für die Entwicklung eines Standorts zu übernehmen. Ich bin in Baden-Württemberg verwurzelt und sehr dankbar, in einer Region zu leben, in der wirtschaftliche Stärke, Innovationskraft und eine hohe Lebensqualität zusammenkommen. Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, dass dies auch in Zukunft so bleibt. 

Welche großen Veränderungsprozesse erleben Sie gerade in Ihrer Region? 

Viele etablierte Produkte, Technologien und Geschäftsmodelle verändern sich derzeit grundlegend. Getrieben wird diese Entwicklung insbesondere durch Digitalisierung, Dekarbonisierung, (De)Globalisierung und den demografischen Wandel. Hinzu kommen ein zunehmender internationaler Wettbewerbsdruck und veränderte Marktanforderungen. Automatisierung, Künstliche Intelligenz und vernetzte Produktion verändern Produkte und Produktionsprozesse ebenso wie die Anforderungen an die Beschäftigten.

Für die Region bedeutet dies, vorhandene Kompetenzen weiterzuentwickeln und neue Märkte zu erschließen. Arbeitskräfte, Produktionswissen und gewerbliche Bestandsimmobilien sind vorhanden. Gleichzeitig benötigen wir neue Investitionen in zukunftsfähige Industriezweige und eine stärkere Unterstützung bei der Entwicklung und Reaktivierung bestehender Gewerbestandorte.

Auch unsere eigene Arbeit in der Wirtschaftsförderung verändert sich. Während früher viele Printprodukte, Präsenztermine und klassische Kampagnen im Mittelpunkt standen, müssen Informationen heute schnell, digital und zielgruppengerecht verfügbar sein. Gleichzeitig werden Budgets knapper. Kooperationen, Sponsoring und Förderprojekte gewinnen deshalb deutlich an Bedeutung.

„In schwierigen Phasen braucht es Vertrauen und die Bereitschaft, über Organisations- und Branchengrenzen hinweg gemeinsam zu handeln.”

Nadine Kaiser ist Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH Region Ostwürttemberg (WiRO)

Welche Unterstützungsangebote bietet Ihre Organisation an, um bei diesen Veränderungen zu unterstützen?

Unsere zentrale Aufgabe im Transformationsnetzwerk besteht darin, Orientierung zu geben, Akteure zu vernetzen und Unternehmen Zugang zu Wissen, Technologien und Unterstützungsangeboten zu ermöglichen. Zu den Handlungsfeldern dieses Netzwerks zählen ein leistungsfähiges Innovationsökosystem, die Vermittlung von Wissen und der Zugang zu Qualifizierungsmöglichkeiten, die Sicherung von Schlüsselkompetenzen, moderne regulatorische Rahmenbedingungen sowie ein gemeinsames Innen- und Außenmarketing.

Dafür bietet das Netzwerk verschiedene Formate und Veranstaltungen sowie die Transformations-Challenge. Unternehmen erhalten neue Impulse, gleichzeitig machen wir bereits erzielte Fortschritte sichtbar.

Welche Herausforderungen erleben Sie in Transformationsprozessen – und wie gehen Sie damit um?

Anforderungen, Technologien und Kommunikationswege verändern sich teilweise innerhalb kürzester Zeit. Gleichzeitig ist nicht immer sofort klar, welche Lösungsansätze für ein Unternehmen tatsächlich sinnvoll und passend sind. Gerade bei neuen Technologien wie Künstliche Intelligenz ist der Handlungsdruck groß, während konkrete Einsatzmöglichkeiten und Mehrwerte noch identifiziert werden müssen. Wirtschaftsförderungen sind deshalb gefordert, flexibel zu reagieren und Angebote kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Die Unternehmen stehen außerdem unter hohem Ressourcen- und Kostendruck. Viele kleine und mittlere Unternehmen sind stark in ihr Tagesgeschäft eingebunden. Ihnen fehlen häufig Zeit, Personal oder finanzielle Spielräume, um sich intensiv mit neuen Technologien zu beschäftigen.

Geschäftsmodelle verändern sich: Arbeitsplätze werden zwar an einer Stelle abgebaut, können aber an anderer Stelle wieder neu entstehen.  Damit sind Unsicherheit, Enttäuschung und teilweise auch persönliche Sorgen verbunden. Solche Gespräche dürfen wir nicht scheuen. Zu unserer Arbeit gehört es, zuzuhören, auch kritische Rückmeldungen ernst zu nehmen und gemeinsam mit den Betroffenen nach Perspektiven zu suchen. Gerade in schwierigen Phasen braucht es Vertrauen, Offenheit und die Bereitschaft, über Organisations- und Branchengrenzen hinweg gemeinsam zu handeln.

„Wir müssen Zukunftstechnologien in Baden-Württemberg nicht nur nutzen, sondern mitentwickeln.”

Nadine Kaiser ist Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH Region Ostwürttemberg (WiRO)

Wenn gemeinsames Handeln der Schlüssel ist, welche Chancen ergeben sich daraus für die Akteure?

Viele Unternehmen verfügen über hoch spezialisiertes Wissen und erfahrene Beschäftigte. Diese Kompetenz lässt sich auf neue Märkte und Produkte übertragen. Besondere Potenziale sehe ich in den Bereichen intelligente und vernetzte Produktion, Produktionstechnologien, Photonik, Gesundheits- und Medizintechnologien sowie GreenTech. Auch Themen wie Wasserstoff, Energiespeicherung, Kreislaufwirtschaft, Automatisierung und Künstliche Intelligenz bieten neue Anwendungsfelder.

Für Unternehmen besteht die Chance, ihre Geschäftsmodelle zu diversifizieren und sich neue Absatzmärkte zu erschließen. Hochschulen und Forschungseinrichtungen können ihre Kompetenzen noch stärker in gemeinsame Entwicklungsprojekte einbringen. Für die Beschäftigten entstehen neue berufliche Perspektiven, wenn Weiterbildung, Qualifizierung und berufliche Übergänge frühzeitig gestaltet werden.

Was braucht es aus Ihrer Sicht, damit diese Pläne Wirklichkeit werden können?

Wir müssen Zukunftstechnologien in Deutschland und Baden-Württemberg nicht nur nutzen, sondern aktiv mitentwickeln. Wir sind ein starker Produktionsstandort und verfügen gleichzeitig über eine ausgeprägte Innovationskraft. Ostwürttemberg weist seit Jahren eine sehr hohe Patentdichte auf und liegt bei den Patentanmeldungen pro Kopf deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Nicht ohne Grund bezeichnen wir uns deshalb als „Region der Talente und Patente“. Diese Stärke wollen wir nutzen, um neue Ansätze voranzubringen.

Entscheidend ist, dass Unternehmen Zugang zu Forschung, Fachkräften und Finanzierung erhalten. Gleichzeitig benötigen sie verlässliche und international wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen. Dazu gehören schnelle Genehmigungsverfahren, eine leistungsfähige Infrastruktur, eine sichere und bezahlbare Energieversorgung und ausreichend verfügbare Gewerbeflächen.

Kooperationen zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sind dabei unverzichtbar. Unternehmen kennen die konkreten Marktanforderungen. Hochschulen und Forschungseinrichtungen bringen wissenschaftliche Erkenntnisse ein. Politik und Verwaltung müssen geeignete Rahmenbedingungen schaffen und die Umsetzung ermöglichen.

Langfristiger Erfolg entsteht dort, wo Kompetenzen gebündelt, Wissen geteilt und gemeinsame Projekte umgesetzt werden. Die Region verfügt dafür bereits über eine gute Kooperationskultur. Diese müssen wir weiter stärken und in dauerhafte Strukturen überführen.

Haben Sie zum Abschluss noch einen Wunsch oder eine Vision für die Region?

Ich wünsche mir eine Region, die ihre industrielle Stärke bewahrt und gleichzeitig offen für neue Strategien und Formen der Zusammenarbeit bleibt. Ostwürttemberg soll auch künftig eine Region sein, in der Unternehmen erfolgreich wirtschaften, qualifizierte Arbeitsplätze entstehen und junge Menschen attraktive Zukunftsperspektiven finden.

Dafür wünsche ich mir bei allen Akteurinnen und Akteuren Mut, Offenheit und vor allem Zuversicht. Transformation gelingt nicht durch Abwarten, sondern durch gemeinsames Handeln.
 

Über die WiRO

Über die WiRO

  • Nadine Kaiser ist seit 2019 Geschäftsführerin bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH Region Ostwürttemberg (WiRO).
  • 1996 wurde die WiRO vom Ostalbkreis und dem Landkreis Heidenheim gemeinsam mit den großen Kreisstädten, der IHK Ostwürttemberg und dem Regionalverband Ostwürttemberg im Rahmen der „Zukunftsinitiative Ostwürttemberg 1995“ gegründet.
  • Die WiRO vernetzt Unternehmen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Kommunen, Politik und Verwaltung und bringt sich im Standort- und Fachkräftemarketing ein.
  • Von ihrem Sitz in Schwäbisch Gmünd aus betreibt die WiRO aktive Wirtschaftsförderung, indem sie zahlreiche Angebote und Services für Unternehmen, Fachkräfte, Gründer und Nachfolger anbietet.